Zwischen Wirklichkeit und Erinnerung: Maler Wolfgang Roll
Burghasungen. Es ist die Geschichte eines Mannes, der nie aufgehört hat, an die Kraft der Kunst zu glauben – auch dann nicht, als ihm der direkte Weg dorthin zunächst verwehrt blieb. Wolfgang Roll, geboren 1956 in Santiago de Chile und aufgewachsen in Hamburg, hat sich seinen künstlerischen Ausdruck über Jahrzehnte hinweg erarbeitet – mit Ausdauer, Leidenschaft und einer tiefen inneren Notwendigkeit. Jetzt stellt er einige seiner Werke in der Ausstellung „Romantischer Realismus“ im Kloster Hasungen aus. Eröffnung ist am 18. April um 17 Uhr mit Musik von Dietlind Roll und Bernhard Knieling. Die Ausstellung findet bis zum 17. Mai statt.

Schon früh verspürte Wolfgang Roll den Wunsch zu zeichnen und zu malen. Doch der Weg an eine Kunsthochschule blieb ihm in jungen Jahren verschlossen. „Kreativität ist aus Ihren Arbeiten nicht ersichtlich“ – dieser Satz hätte entmutigen können. Für Roll wurde er vielmehr zu einem leisen Antrieb. Statt aufzugeben, entschied er sich für einen anderen Weg, studierte Sonderpädagogik und Geschichte und wurde Förderschullehrer. Ein Beruf, den er über viele Jahre hinweg mit großem Engagement im Bathildisheim in Bad Arolsen ausübte. Zuvor leitete er eine Kinderbetreuung in Burghasungen. Er ist also überall Zuhause. Das macht ihn auch aus und durchaus sehr sympathisch.
Kunst blieb sein Kompass
Und doch blieb die Kunst stets sein innerer Kompass. Parallel zum Berufsleben bildete er sich intensiv weiter, besuchte Abendkurse, zeichnete, malte – immer wieder, immer weiter. Die Malerei wurde für ihn mehr als ein Hobby: ein Rückzugsort, ein Ausgleich, ein Lebenselixier. „Ohne die Kunst hätte ich meinen Beruf nicht so bewältigen können“, beschreibt er rückblickend. Seine Werke entstehen in aufwendigen Schicht- und Lasurtechniken, in denen Acryl-, Gouache- und Ölfarben miteinander verschmelzen. Roll erschafft Bildwelten, die auf den ersten Blick realistisch erscheinen und doch eine ganz eigene, fast traumartige Atmosphäre besitzen. Architektur, Stadtlandschaften und urbane Szenen – häufig inspiriert von Berlin und Hamburg – werden von ihm in ungewöhnlichen Ausschnitten und mit feinem Gespür für Licht, Spiegelungen und Oberflächen dargestellt.
Flüchtige des Moments
Besonders fasziniert ihn das Spiel mit Wasser und Transparenz: Reflexionen, Durchblicke, das Flüchtige des Moments. Oft arbeitet er mit fotografischen Vorlagen, die er bewusst verfremdet, kombiniert oder in neue Zusammenhänge setzt. Historische Bildfragmente, alte Fotografien oder scheinbar beiläufige Details fügen sich so zu vielschichtigen Kompositionen zusammen – wie Erinnerungen, die sich überlagern. Seit vielen Jahren ist Wolfgang Roll fester Bestandteil der regionalen Kunstszene.
Ausstellungen und Beteiligungen führten ihn unter anderem nach Wolfhagen, Kassel, Warburg und Bad Arolsen. Als Gründungsmitglied der Künstlergruppe im Kulturverein Wolfhagen engagiert er sich zudem aktiv für das kulturelle Leben vor Ort. Heute, im Ruhestand, widmet sich Wolfgang Roll noch intensiver seiner Kunst – mit der Ruhe und Tiefe eines Lebens, das viele Wege gegangen ist. Seine Bilder erzählen davon: von Beharrlichkeit, von leisen Umwegen und davon, dass kreative Leidenschaft ihren eigenen Rhythmus kennt.

Oder, wie man es beim Betrachten seiner Werke spürt: Manchmal braucht es ein ganzes Leben, bis sich die eigene künstlerische Stimme vollständig entfaltet.
Die Ausstellung kann zu den Öffnungszeiten des Museums immer sonntags von 14 bis 17 Uhr besucht werden - sowie nach Vereinbarung. Museum Kloster Hasungen, Hasunger Straße 2, Burghasungen.
Von Monika Wüllner
