Zierenberg blüht auf: Naturfläche für den Klimaschutz


Von Tanja Tempel

Zierenberg.
 l Durch die Bundes-Förderung aus dem KfW-Programm 444 „Natürlicher Klimaschutz in Kommunen“ können in Zierenberg zwei öffentliche Flächen naturnah umgestaltet werden. Die Bürgerinitiative „Zierenberg blüht auf!“ will Flächen in der Rudi-Walther-Straße/Stämmchenweg und an der Ehlener Straße in artenreiche, klimaresiliente Lebensräume verwandeln.

Den Anfang macht am 19. September die Fläche in der Rudi-Walther-Straße. Sie wird in Anlehnung an die Kalkmagerrasen am Dörnberg gestaltet. Auf ungewaschenem Kalkschotter werden heimische und trockenheitsresistente Pflanzen angesiedelt. So soll ein Lebensraum entstehen, der von Insekten aus den umliegenden Naturflächen besiedelt werden kann und zugleich als Trittsteinbiotop zwischen Dörnberg, Warte und Galgenköppel dient.

Ergänzt wird die Pflanzung durch Steinhaufen und kleine Trockenmauern sowie stehendes und liegendes Totholz. Dadurch entstehen zusätzliche Lebensräume und Rückzugsmöglichkeiten für Insekten, Eidechsen und andere Tiere. Anders als klassische Staudenbeete wird sich die Fläche von Jahr zu Jahr verändern. Neben Kleingehölzen, Stauden und Blumenzwiebeln wird eine Saatgutmischung aus mehr als 50 heimischen Pflanzenarten ausgebracht. Sie enthält ein-, zwei- und mehrjährige Arten. Welche Pflanzen sich entwickeln, hängt von den jeweiligen Bedingungen ab – beispielsweise von Temperatur und Niederschlag. Mit dieser Menge an Pflanzenarten bekommt der Boden der Fläche eine Saatgutdatenbank, aus der sie schöpfen kann. Wildpflanzen keimen nicht immer sofort und auch nicht immer alle einer Art auf einmal, so dass die Fläche auch auf sich ändernde Bedingungen in verschiedenen Jahren reagieren kann.

In den ersten Jahren werden vor allem ein- und zweijährige Pflanzen das Erscheinungsbild prägen, später zunehmend die mehrjährigen Arten. Da die Fläche nur einmal jährlich gemäht wird, können sich die Pflanzen aussamen und immer wieder neue Bereiche besiedeln. So entsteht langfristig eine vielfältige und dynamische Naturfläche, die nicht jedes Jahr neu eingesät werden muss.


Geplant wird die Fläche von der Naturgartenplanerin Christina Ullrich von FlowerPower Naturgartengestaltung. Die Umsetzung erfolgt als Mitmachbaustelle: Gemeinsam wird die Fläche modelliert, Kompost und Steine eingebaut, Totholz gestaltet, Sträucher, Stauden und Blumenzwiebeln gepflanzt und schließlich das Saatgut ausgebracht. Neben Mitgliedern der Initiative und Anwohnerinnen und Anwohnern sind weitere Helferinnen und Helfer herzlich willkommen. Die Aktion bietet nicht nur die Möglichkeit, ganz praktisch etwas für Natur und Artenvielfalt zu tun. Interessierte können zugleich lernen, wie naturnahe Flächen angelegt werden, welche Materialien und Pflanzen geeignet sind und worauf es bei der späteren Pflege ankommt. Nachmachen ausdrücklich erwünscht.

Wer mithelfen möchte, kann sich bei Tanja Tempel unter 0177 / 6877533 oder kontakt@naturpur-naturerlebnisse.de melden.

Mehr als zwei Flächen

Das KfW-Programm 444 unterstützt Kommunen dabei, Grünflächen naturnah umzugestalten, Bäume zu pflanzen, Naturflächen innerhalb von Siedlungsgebieten zu schaffen, Flächen zu entsiegeln und natürliche Bodenfunktionen zu verbessern.

Neben den beiden neuen Naturflächen in Zierenberg umfasst die Förderung deshalb auch die Erstellung eines Grünflächenpflegekonzepts für den gesamten städtischen Grünflächenbestand im Siedlungsbereich. Ziel ist es, das kommunale Grünflächenmanagement künftig stärker naturnah auszurichten.

Warum Kalkschotter?

Ungewaschener Kalkschotter eignet sich besonders für nährstoffarme und trockenheitsverträgliche Pflanzengesellschaften. Viele heimische Wildpflanzen kommen mit diesen Bedingungen gut zurecht und bieten Nahrung für zahlreiche, teilweise seltene Insektenarten. Gleichzeitig werden stark nährstoffliebende Pflanzen zurückgedrängt.

Mit den bekannten „Schottergärten“ hat diese Form der Gestaltung wenig gemeinsam: Es wird kein Unkrautvlies verwendet, und der ungewaschene Schotter enthält feine mineralische Bestandteile, in denen Pflanzen wachsen und sich entwickeln können. Ziel ist also keine sterile Steinfläche, sondern eine möglichst artenreiche, blütenreiche Naturfläche.