Ein Abschied ohne Blaulicht - aber mit ganz viel Herz
Zierenberg. Für Ralph Homberger endet ein langer Berufsweg. Zum Abschied würdigte Bürgermeister Rüdiger Germeroth nicht nur dessen beruflichen Einsatz, sondern vor allem seine menschlichen Qualitäten.
40 Jahre im Beamtenverhältnis, davon seit 1994 bei der Stadt Zierenberg. Bevor Homberger zur Stadt Zierenberg kam, war er bei der Post tätig. Seit 1994 prägte er die Arbeit der Stadtverwaltung, zuletzt als Leiter des Fachbereichs Bürger, Soziales und Kultur. Dabei sei er nie jemand gewesen, der sich in den Vordergrund gedrängt habe. Vielmehr habe er Verantwortung übernommen, Aufgaben zuverlässig erledigt und stets ein offenes Ohr für die Anliegen anderer gehabt.
Besonders hob Germeroth Hombergers Bescheidenheit, Hilfsbereitschaft und seinen menschlichen Umgang hervor. Hinter jeder Aufgabe habe er den Menschen gesehen. Damit habe er sich sowohl bei seinen Kolleginnen und Kollegen als auch bei den Bürgerinnen und Bürgern große Wertschätzung erworben.

Auch die Zusammenarbeit mit dem Bürgermeister sei von Vertrauen und Verlässlichkeit geprägt gewesen. Auf Homberger habe er sich jederzeit verlassen können. Mit einem Augenzwinkern merkte Germeroth an, dass dessen Einsatzbereitschaft manchmal zu weit gegangen sei: Nicht selten habe Homberger sich so sehr für seine Aufgaben eingesetzt, dass er sogar sonntags gearbeitet habe. Für den Ruhestand wünschte ihm der Bürgermeister deshalb auch mehr Gelassenheit und Zeit für sich selbst.
Dass Homberger den Menschen viel bedeutet habe, zeige sich auch daran, dass sich zahlreiche Weggefährtinnen und Weggefährten persönlich von ihm verabschieden wollten. Germeroth dankte ihm herzlich für seinen langjährigen Einsatz, seine Kollegialität und seine Hilfsbereitschaft. Für den neuen Lebensabschnitt wünschte er ihm vor allem Gesundheit, Zufriedenheit und viele schöne Jahre mit Zeit für Familie, Freunde und die Dinge, die ihm am Herzen liegen.
Geplant war der Abschied allerdings ganz anders. Weil Ralph Homberger in seinem Fachbereich auch für die Feuerwehr zuständig war, sollte er von den Feuerwehrleuten gebührend verabschiedet werden – mit einer Fahrt im Einsatzwagen, Blaulicht und allem, was dazugehört. Doch Homberger bekam Wind von der Sache und wiegelte ab.
Plan B war eine Überraschungsverabschiedung im Rathaus. Aber Ralph Homberger wäre nicht Ralph Homberger, wenn er davon nicht ebenfalls im Vorfeld erfahren hätte. So blieb es schließlich bei einem Abschied, von dem auch der zu Verabschiedende wusste und auf den er sich gut vorbereiten konnte.
Wie sehr Homberger geschätzt wurde, machten die Beiträge seiner Weggefährten deutlich. Franz Kroha bescheinigte ihm eine „immer großartige“ Arbeit im Ortsgericht. Viele hätten ihn angerufen und gesagt: „Der Homberger, der ist klasse.“

Auch Stadtbrandinspektor Jannik Weber dankte Homberger für dessen unschätzbare Unterstützung. „Du hast dir sehr viel Feuerwehrwissen angeeignet und hast immer sofort reagiert. Du hast uns viel abgenommen“, sagte Weber.
Hombergers Nachfolger Sebastian Feuring hob vor allem dessen menschliche Seite hervor: „Deine Menschlichkeit ist einmalig.“ „Das ist alles nicht normal“, ergänzte er augenzwinkernd und dankte stellvertretend für den gesamten Fachbereich.
„Ein Mensch, der den Alltag leichter machte“
Christian Bölsche
Hauptamtsleiter Christian Bölsche erinnerte daran, wie oft Homberger ihm im Alltag geholfen habe. „Du hast mich oft wieder auf ‚normal‘ gebracht“, sagte er. Selbst an den anstehenden Broteinkauf habe Homberger ihn erinnert, wenn es schon kurz vor 18 Uhr gewesen sei. Er sei immer fröhlich gewesen und habe mit seiner Art den Arbeitsalltag bereichert.
„Da geht ein ganzes Stück an Wissen und Mensch. An dir kann man sich ein Beispiel nehmen, wie du mit Menschen umgehst“, sagte Bölsche.
Auch Ludwig Scheuermann, Behindertenbeauftragter der Stadt Zierenberg, der eng mit Homberger zusammengearbeitet hatte, wollte den langjährigen Kollegen nur ungern ziehen lassen. „Du darfst gar nicht gehen“, sagte er. „Wir haben hervorragend zusammengearbeitet.“
„Wir schicken hier keinen weg“
Ralph Homberger

Und Ralph Homberger selbst? Der blickte zufrieden auf seine Berufsjahre zurück. „Meine Entscheidung war die richtige. Ich habe gerne gearbeitet“, sagte er. Auch die Sonntagsarbeit habe für ihn ihren Sinn gehabt: Damit habe er die Basis für die kommende Woche geschaffen. „Wir helfen Bürgern und schicken hier keinen weg“, betonte er.
Vor der Arbeit der Feuerwehr habe er stets große Hochachtung gehabt. Inzwischen flaue das anfängliche Gefühl, Urlaub zu haben, langsam ab. Allmählich stelle sich eine gewisse Normalität im Alltag des Ruhestands ein.
Doch eine Überraschung gab es am Ende tatsächlich noch: Als Homberger nach der Feier im Rathaus zu Hause ankam, warteten Kolleginnen und Kollegen in seinem privaten Garten. Dort stand eine echte Ruhebank, gebaut vom städtischen Bauhof – ein passendes Geschenk für jemanden, der so viele Jahre für andere da gewesen war. Nun darf er selbst Platz nehmen und die Ruhe genießen.
(mw)
